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Die
Gischt schäumt auf, als die Propeller das Wasserflugzeug rasant
beschleunigen. Nach einigen hundert Metern geht das Hoppeln nahtlos
in ein Gleiten über. Zwei Stunden nach dem Start in Vancouver landen
wir inmitten der Wildnis. Im Rivers Inlet. Rundum alles grün. Weite
Wälder, kleine Inseln, klares Wasser. Unweit der Landebahn"
die schwimmende Lodge. "Big Spring", eine umgebaute Eisenbahnfähre,
verankert in einer Bucht
(Foto oben). Herberge für Angler aus aller Welt. Ausgangspunkt
für die Jagd nach dem "King", dem kapitalsten unter den
Lachsen.
Das verankerte "Hotel" wirkt im ersten Moment einfach, ist
es aber nicht. Denn dort, wo man jede Schraube aus der nächsten
Ortschaft einfliegen lassen muß, braucht der Gast (außer
für Telefon, Souvenier und Trinkgeld) keinen einzigen Dollar. Das
Zauberwort:
All-Inclusive-Service. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Saubere
Unterkünfte, Duschkabinen mit Warmwasser (klingt zwar selbstverständlich,
aber mitten in der Wildnis?), einwandfrei gutes Essen. Reiche Auswahl
an Getränken, von Fruchtsaft und Bier bis Wein und Schnäpsen.
Snacks rund um die Uhr. Langeweile in den Fischpausen - Fehlanzeige.
Zwei gemütliche Aufenthaltsräume samt Bar und Ledergarnitur
laden zum Smalltalk. Für Abwechslung sorgen Dart, Billard, Schwimmbad,
Wirlpool uvm. Das Komplett-Angebot umfaßt aber auch die Fischerausrüstung.
Wer nicht unbedingt sein eigenes "Zeug" mitnehmen will, bekommt
hier alles! Zur Auswahl stehen Lachs- und Meeresangeln inklusive Rollen,
Schnüren, Bleien und Haken. Weiters unsinkbare Boote mit Funk und
GPS, Überlebens- und Regenanzüge, Stiefel - und, ganz wichtig,
die richtigen Köder. Die Begrüßung auf der Lodge nimmt
Manfred, der Eigentümer, selbst vor. Nach dem Zimmerbeziehen und
einer Kurzeinweisung, vor allem in Sachen "Hering-Köder"
für Lachse, gibt es für Fischer nur mehr eines:
Raus auf's Wasser! Zwei Mann pro Boot - und schon tuckern die Motoren.
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Zielstrebig
geht es zu den besten Lachs-Plätzen. Einer davon - "The Wall".
Freßstation der Lachse im Meer, ehe sie später zum Laichen
und Sterben in die Flüße hochziehen. Nach nur drei Minuten
Fahrt werden die Angeln ausgeworfen.
Was heißt ausgeworfen. Der Köder, ein mit zwei Haken garnierter
Hering, wird ins Wasser gelassen - und Schnur abgezogen. Bei langsamster
Fahrt schleppt dann das Boot den Appetithappen hinterher. Die Chance
lebt. Das Hoffen auf den ersten Lachs hat begonnen. Oder ist es schon
das Hoffen, gleich den ganz Grossen fangen zu können? Egal, Anglerherz
- was willst du mehr.
Im Regelfall sollte es auch nicht allzu lange dauern, bis der Blutdruck
des Anglers steigt, die Hände zur Rute schnellen und ein Anhieb
gesetzt ist. "Fisch - oder doch nicht?" Wenn's auch beim ersten
Mal nicht geklappt haben sollte - keine Sorge, der nächste Lachsbiß
kommt garantiert. Erkennbar am plötzlichen Nachlassen der Rutenspitze
bzw. am lauten Absurren der Schnur. Vielleicht gerade jetzt? Oder jetzt,
oder ...
Die Anspannung wächst. Dann knallts! Ein Lachs hat das - übrigens
widerhakenlos- nachgeschleppte "Hering-Häppchen" gepackt.
Der Drill, besser gesagt "JEDER" Drill, ist ein Erlebnis.
Durch die besonders weichen Ruten pures Angler-Abenteuer. Egal, ob groß
oder klein, ob Königs-, Silber- oder Hundslachs. Sie fetzen mit
einem lauten "Rrrrrrhhhh" die Schnur von der Rolle. Manche
springen, schlagen Salti, andere jagen unter der Wasseroberfläche
davon oder tauchen in die Tiefe ab. Ein wahrer Tanz.
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Der
Kampf beginnt. Dauert mehrere Minuten. Dann der erste Sichtkontakt. Knapp
beim Boot haut der Lachs wieder ab. Volle Kanne. Ruhe des Anglers ist
gefragt. Fingerspitzengefühl. Endlich ermüdet der Fisch, doch
dann gibt's noch die Hürde mit dem Köscher. Neuerlich Fluchten.
Sprünge. Nicht immer landet "der Gejagte" im Netz. Und
wenn doch, werden fast alle wieder in ihr nasses Element zurückgesetzt.
Vorsichtig und ganz behutsam. Sportfischer entnehmen nur die Großen.
Zum Essen oder Präparieren.
So wie der ca. 18 Kilo schwere Königslachs des Autors. Sein erster
"Riese". Nach mehr als einer Stunde zappelte er im Netz. Dank
Gerd, dem "Keschermann", und Horst, mitzitternder (Autor-)Vater
und Steuermann am Viertaktmotor.
Zum Thema Wildlachs sei hinzugefügt - es ist nicht nur der Drill,
der diesen Fisch so begehrt macht. Es ist das Fleisch. Der Geschmack.
Die Gaumenfreude. Unbeschreiblich. Schwärmerei macht sich breit.
Ein Stück davon und man weiß, was man vorher noch nie gegessen
hat. Einfach lecker.
Das ist aber nicht alles. Es gibt noch mehr der Gourmet-Schätze.
Zu fangen im Nahbereich von "Big Spring". Mit schwerem Zeug.
Auf Grund oder knapp darüber. Etwa Heilbutt, Lingcod, aber auch Red
Snapper und diverse Barsche. Kleine Haie sind zwar nichts für den
Topf, sorgen jedoch für willkommene Abwechslung.
Und wie reist der für den Teller gedachte Fisch mit nach Europa?
Ganz einfach. Filetiert. Vaccum-Verpackt. Tiefgefroren. Stück für
Stück. In Styropor-Kisten. Transportfertig. Mindestens 24 Stunden
haltbar. Zu Hause angekommen - ab in den Tiefkühler, das war's. Verantwortlich
für die Aufbereitung der Beute - die Crew. Auch sonst bemerkenswerte
Burschen. Freundlich und hilfsbereit. Nach jedem Anglertrip sofort aktiv.
Betanken und säubern das Boot, füllen Köderbox und Gerätekasten
auf.
Klingt kitschig - ist aber so: Man fühlt sich wie im "Fischer-Schlaraffenland".
Das reale Märchen endet mit den Worten: Es war einmal... Denn wieder
schäumt die Gischt auf, die Propeller ziehen an. Nun zum Heimflug.
Über Vancouver und Frankfurt nach Wien.
Schön war's! Ein Abenteuer. Unvergeßlich. Empfehlenswert. "King"
-ich komme wieder. Und Sie? Lust auf den etwas anderen Urlaub bekommen?
Also, worauf warten Sie... |